(05/1979)
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Liebe Marvelianer, Spinnenfreunde, Comicfans, nach all den
schmerzlichen Nachrichten der letzten Wochen müssen wir Euch heute
das Betrüblichste mitteilen, das jemals auf einer
Marvel-Leserbriefseite veröffentlicht wurde: Leider sieht sich der
Verlag gezwungen, auch den letzten Marveltitel aus dem Programm zu
nehmen. Mit anderen Worten: Auch die SPINNE wird eingestellt.
Die letzte Ausgabe ist die Nr. 137. Damit geht die
wunderbare Marvelzeit, die Euch und uns soviel Spaß bereitete,
vorläufig zu Ende. Denn nach wie vor können wir Euch noch nichts
Konkretes über neue Titel mitteilen.
Seid nicht traurig, Fans!
Irgendwann sehen wir uns bestimmt wieder. Die Zeit heilt alle Wunden
und bringt uns sicherlich bald, irgendwo, irgendwie wieder zusammen.
Daran glauben wir fest! Und wenn Ihr es auch tut,
ist noch nicht Hopfen und Marvel verloren. Behaltet die Marvels in
guter Erinnerung und behütet sie sorgsam, denn wer weiß...? In
diesem Sinne grüßt Euch zum letzten Mal herzlichst Euer MMT
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Ich bezweifle nicht, daß es wirtschaftliche Gründe ("die Auflagen... gingen stark zurück und deckten nicht einmal mehr die Eigenkosten des Verlages") waren,
die den Williams-Geschäftsführer (und späteren Williams-Eigentümer) Klaus Recht dazu bewegten,
im Mai 1979 den Stecker zu ziehen und die rund 13-jährige Marvel
Comics-Ära bei BSV/Williams für immer zu beenden... Eine Ära, die ab
1972 von Warner Communications (vgl.
Kressreport #3 vom 03. Februar 1972(1))
in einen schrittweisen Neuanfang überführt worden
war, als der US-Mutterkonzern die Verschmelzung seiner beiden deutschen Verlage BSV
und Williams einleitete
(vgl.
DNV #547 vom 5. Februar 1972, beide Verlage waren
nun an der selben Anschrift
in Alsdorf ansässig) und
bei der Restrukturierung keinen
Stein auf dem anderen ließ:
- der langjährige BSV/Williams
Geschäftsführer Erwin Heimberger war wohl mit der
Vorgehensweise von Warner nicht
einverstanden (vgl. Details dazu in Wolfgang J. Fuchs' Artikel
'Einige Anmerkungen zum Bildschriften/Williams-Verlag') und
kündigte (regulär) daher im August 1972 (wirksam zum 29. Februar 1973, vgl.
DNV #575 vom 5. April 1973),
war dann aber sogar noch über den Kündigungstermin hinaus (beratend)
bis ca. Ende März 1973 für den Verlag tätig;
- die Programme beider Verlage wurden gründlich entrümpelt
("wird das bestehende Verlagsprogramm um 70% reduziert", vgl. DNV #541 vom 5. Februar 1973) und konzeptionell völlig neu aufgestellt;
- und
schließlich mit Klaus Recht zum 1. Mai 1973 ein neuer (zunächst noch
BSV-)Geschäftsführer bestellt, der die 1972 begonnene Neuordnung der
Organisationsstruktur weiter forcierte (Warner Communications'
Geldtopf machte es möglich). Am 31. August 1973 wurden dann
sämtliche, noch verbliebenen BSV-Aktivitäten rechtlich in den
Williams Verlag überführt und zum 1.
Oktober 1973 schließlich auch der Verlagsstandort vom provinziellen Alsdorf (bei Aachen) in
die "Verlagsstadt" Hamburg
verlegt - was sicherlich mehr als eine rein "kosmetische" Maßnahme
war (Stichwort: Vernetzung/räumliche Nähe zur Warner
Communications Deutschland-Zentrale), aber auch die personelle
Neuaufstellung fast unumgänglich machte (Alsdorf liegt von Hamburg
ca. 500-Autobahn-Kilometer entfernt). So begann er, der von langer Hand vorbereitete und ab
Januar 1974 umgesetzte - anfänglich
erfolgver-sprechend scheinende - Neustart der Marvel Comics in Deutschland
(vgl. Anzeige
"Der Bildschriftenverlag ist tot!").
Und was war man
für 1974
nicht euphorisch an die Sache gegangen, geradezu wie Williams-Phoenix aus der
BSV-Asche, mit frischem Konzept und gleich sieben neuen Serien auf einen
Schlag: Wo BSV im Übergangsjahr 1973 mit nur noch zwei Marvel-Serien
vor sich hingedümpelt war (dies allerdings "beabsichtigt", sicherlich mit dem Gedanken, daß man im
Übergangsjahr mit einem
Basisprogramm an Marvel-Heften am Markt präsent bleiben wollte), feuerte
Williams ab 1. Januar 1974 dann aus allen Rohren -- man war sich sicher,
daß man sich ein schönes Stück aus dem wachsenden deutschen Comic-Kuchen
würde schneiden können.
Und dieser Optimismus basierte auch
nicht einfach nur auf Wunschdenken. Wie man der
Broschüre...
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COMICS - DER MARKT DER 100 MILLIONEN
DER WILLIAMS VERLAG
SEINE AKTIVITÄTEN 1974
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(Ein großformatiger Scan der
kompletten Broschüre kann auf
Peter Gensmantels Homepage
'Marvel Comics Online'
im Bereich 'Marvel
Material Insider' eingesehen werden!) |
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...entnehmen kann, hatte man die Marktlage sehr wohl analysiert und
sich intensiv Gedanken gemacht, ob/wie man mit der eigenen Marktoffensive
erfolgreich am Markt würde bestehen können:
1) Laut
eigener Hochrechnung ("Es gibt keine umfassenden oder
repräsentativen Aussagen über den Markt und seine Entwicklung.") schätzte man, daß sich das
Marktvolumen für Comics zwischen 1970 und 1973 in etwa verdreifacht
hatte ("Gesamt-Auflage in 1973 aller Verlage 80 Mio. Stück, in
Verkaufspreisen gerechnet 100 Mio. DM") und man ging davon aus,
daß der Markt noch weiter wachsen würde, also grundsätzlich aufnahme-fähig für weitere Williams-Serien gewesen wäre. Quelle: Direktlink auf
Marvel Comics Online
(=Seite 5 der Broschüre)
2) Durch die
Umstellung (ab März/April 1973) auf Auslieferung durch den
Zeitschriften-Großhandel und Nutzung des Phasenvertriebs
(vgl.
DNV #541 vom 5. Februar 1973)
[BSV hatte seine Produkte über eigene Vertriebsmitarbeiter
direkt
an die Händler ausgeliefert] hoffte man die
Remissionsquote deutlich zu senken und damit die eigene
Kostenstruktur erheblich zu verbessern. Quelle: Direktlink auf
Marvel Comics
Online
Seite 6
und
Seite 12
Diese Vertriebs-Umstellung war - meinem Erachten nach - auch
der Grund für die beiden
Ausfallmonate Februar/März 1973 bei BSV.
3) Im Teilmarkt für
Superheldencomics seien [Anmerkung: Stand 1973] "relativ
wenig Titel auf dem deutschen Markt" angeboten worden, womit sich
vielversprechende Aussichten für
die ab Januar 1974 geplante Marktoffensive mit Marvel Comics ergaben. Williams setzte (hoffte...)
zusätzlich darauf, daß die (marvel-typische) "sehr starke
Verbindung zwischen den sieben Titeln" sich positiv auf das
Kaufverhalten der Käufer auswirken würde, die durch besagte
"Verbindung" zum Kauf von mehr Titeln animiert werden würden. Quelle: Direktlink auf
Marvel Comics Online
(=Seite 10 der Broschüre)
4) Zur Verkaufsförderung gab man zum Verkaufstart ein
Superhelden-Poster (Auflage
4 Mio. Stück!) kostenlos an den Einzelhandel ab, dazu im Januar
(Januar kann logischerweise nur für das Phasenvertriebsgebiet I
gegolten haben) zweimal sogenannte Händlerschürzen (=
Plakat, das der Zeitungshändler zusammen mit den Druckerzeugnissen
vom Verlag geliefert bekommt). Insgesamt stellte Warner
Communications ein
Budget von erklecklichen DM 250.000 als Werbe- bzw.
Verkaufsförderungsvolumen allein für die Marvel Comics zur
Verfügung, mit dem die "die vertrieblichen Bemühungen des
Handels unterstützt"
werden sollten. Quelle: Direktlink auf
Marvel Comics Online
(=Seite 11 der Broschüre)
Die Voraussetzungen für
ein erfolgreiches Bestehen der 'Williams-Superhelden-Comics' schienen
also bestens, zumal man sich am neuen Standort im mondänen Hamburg
eben auch
personell optimal aufstellen wollte (man plante mit
"einer Kernmannschaft von rund 35
(wohl festangestellten) Mann ... auf
scharfen Expansionskurs (zu) gehen", vgl.
Kressreport #17 vom 16. Februar 1973).
Was hätte da also noch schiefgehen sollen? Meine nüchterne
Antwort auf diese Frage lautet: Alles... |
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1974 HATTE KAUM BEGONNEN... UND DIE LUFT WAR SCHON RAUS... |
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Die anfängliche Euphorie
(vgl. Anzeige
"1974 - Das Jahr der Superhelden-Comics"
in DNV vom
7.12.1973) muß
schnell verflogen sein:
- die Umstellung vom (marktunüblichen!)
36- aufs 32-Seitenformat, dann auch mit Standard-Umschlagpapier (weniger
Seiten und vor allem kein teurer Hochglanz-Umschlag mehr: Kosten sparen!),
erfolgte bereits im Juni 1974;
- man trennte sich von der
Werbeagentur Ewald Baluch(2) (die
vom 1. bis einschließlich 4. Produktionsmonat die Typographie
anfertigte), was zum nachfolgenden Chaos bei der Typographie
führte;
- die temporäre Umfirmierung von 'Williams' zu 'Klaus Recht GmbH'
(Oktober 1974) bedeutete nichts anderes als die Übernahme des
Verlags durch Klaus Recht (man gehörte also nicht länger
zum
US-Riesen Warner Communications);
- damit einhergehend die erste Entlassungswelle
bei den festangestellten Mitarbeitern
Ende 1974/Anfang 1975 (auch der Chefredakteur Reinhard 'Remo' Mordek verließ den
Verlag)(3);
- und dann
auch noch das extrem dünne, absolute Billigpapier, das die
1975er Hefte plagt -- all das deutet massiv darauf hin, daß es
von
Anfang an nicht wirklich gut lief, daß man sparte, wo
man nur konnte. |
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KURZES AUFLEBEN - EINES TODGEWEIHTEN... |
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Nein, es stand nicht gut um das Projekt
'Marvel Comics', darüber kann auch nicht die im Oktober 1975
begonnene (kurzlebige...) Expansion (Der Eiserne,
Doktor Strange, Die Grüne Laterne, Planet der Affen und die extrem
aufwendig gemachten Kung Fu-Taschenbücher) hinweg
täuschen, denn bereits Ende 1976 wurde bekanntlich alles außer den drei
Kernserien Spinne, FV und Rächer eingestellt. Genausowenig
"funktionierte" 1978 der Versuch, mit
'Krieg der Sterne' und 'Marvel Sonderausgabe' im Bereich der
Film-Comics Fuß zu fassen: Auch
diese beiden Projekte waren angesichts des Erfolgs in den USA
durchaus vielversprechend, sie waren aufwendig gemacht (Großformat,
Hochglanzpapier und natürlich hand-gelettert), nicht billig (DM
3,50) und ultimativ... ein Flop -- denn andernfalls hätte man sie ja
fortgeführt.
Das langsame Sterben auf Raten
hatte spätestens Ende 1976 begonnen, wenngleich das Siechtum auch noch bis Mai 1979
andauern sollte... Das Konzept war nicht aufgegangen, der große
Plan, den deutschen Comicmarkt mit neuem Schwung aufzu-rollen, war grandios
gescheitert. Warum? Weil es - meiner Einschätzung nach - trotz aller Bemühungen und all der guten
Ideen zu keinem Zeitpunkt gelang, ein wirtschaftlich tragfähiges
Konzept auf- bzw. umzusetzen: Man hatte inhaltlich und (überwiegend)
auch qualitativ tolle Produkte, man überschätzte aber die
Marktaufnahmefähigkeit und produzierte zu teuer bzw. verkaufte schlicht und ergreifend zu wenig davon
(die Katze biß sich in den Schwanz...), man war -
zumindest im
Bereich der Marvel Comics - zu keinem Zeitpunkt
wirtschaftlich rentabel(4). |
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WORAN LAG ES? |
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Was unbeantwortet bleibt, ist die Frage: Warum funktionierten
die DC-Superhelden und auch (hier ist der Vergleich
Ehapa/Williams unmittelbar möglich) 'Star Wars' bei Ehapa und sogar(!) die
Marvel-Superhelden-serien bei Condor, wo Williams
nie aus den roten Zahlen kam?
War es wegen des breiter aufgestellten Konzepts (Mix aus Heftserien
und Alben/Taschenbüchern), lag es am "besseren" Papier
und/oder der "besser lesbaren" Maschinenschrift(5), wo Williams auf das aufwendige
(manch einen womöglich abschreckende) Handlettering setzte,
das zudem übergangsweise (nach der sehr plötzlich erfolgten Trennung von Ewald Baluch)
von teils fragwürdiger/schlechter Qualität war?
War es gerade weil
man bei Ehapa auf die intensive Einbindung der Leserschaft
verzichtete, die doch in den USA ein absolut integraler Bestandteil
für den unglaublichen Erfolg der Marvel Comics war? Oder gefielen den Lesern
gar die
"simpler" gestrickten DC-Abenteuer einfach besser?
Wer vermag das wirklich zu sagen? |
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WIE WÄRE ES ERFOLGREICH(ER) GEGANGEN? (Ein Erklärungsversuch) |
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Sicher ist, daß EHAPA einfach insgesamt
viel breiter und
umfangreicher aufgestellt war; ohne Zweifel (neben Bastei) der
Platzhirsch auf dem deutschen Markt war: Ein Marktführer der mit den Asterix-Alben
und den diversen Disney-Produkten zudem über die absoluten
Zugpferde im Comic-Bereich verfügte, die - daran zweifelt wohl
niemand - äußerst ertragreich waren (und bis heute sind....).
Und unabhängig davon, wie gut sich die
DC-Produkte
bei Ehapa verkauften (man
kann angesichts des langen Veröffentlichungszeitraums davon ausgehen: besser als die Williams-Serien...) verhalf
das große Gesamt-Portfolio ohne Zweifel auch zu einer insgesamt günstigeren
Kostenstruktur.
Und Ehapa ging bei
seiner Superhelden-Expansion zudem weitaus zurückhaltender vor. Zwar
hatte auch BSV ab 1966 fast ausschließlich auf Heftserien
gesetzt(6),
aber
zeitweilig veröffentlichte man im Rahmen der HIT Comics-Serie 4x Marvelhefte pro Monat und ab
1969 dazu auch noch die (1x monatlich erscheinende) DC-Serie
TOP Comics. Ich würde hier zwar nicht von einer "Überflutung" des
Marktes sprechen, aber es fällt doch auf, daß Ehapa gar 10 Jahre lang (ab 09/1966 - zeitgleich gestartet wie
BSVs HIT Comics!) mit
Superman
nur eine
einzige DC-Heftserie (2x Hefte pro Monat)
veröffentlichte, bevor man ab 1976
(also praktisch Zeitgleich mit der
Williams-Programmerweiterung...) das Superhelden-Portfolio
vergleichsweise behutsam mit weiteren Heftserien (Roter Blitz,
Wundergirl
und
Batman Sonderheft) erweiterte.
Zuvor aber
hatte man mit Alben (ab 1973:
Superman/Batman-Superbände)
und später auch Taschenbüchern (ab 1976:
Superman-TB
- auch hier etwa zeitgleich
gestartet mit
Williams' Kung Fu-Taschenbüchern...) auch alternative Formate
ins
Programm aufgenommen, die zwar auch nicht gerade zu Super-Schnäppchenpreisen
verkauft wurden (sie kosteten anfänglich DM 3,50 bzw. DM 2,50),
aber definitiv mehr Inhalt als die herkömmlichen Heftserien boten (Alben
wie Taschenbücher hatten ca. 96 Seiten
Umfang).
Und
WOLFGANG M. BIEHLER beschritt einen ähnlichen Weg
wie Ehapa. Biehler hatte zunächst Mitte der 60iger Jahre bei BSV als
Übersetzer begonnen, wurde dann unter Herausgeber Ewald Baluch zum
Chefredakteur befördert und betreute (unter anderem) die HIT Comics
und auch MAD (vgl.
Impressum MAD #1, 09/1967). Später verließ er BSV und gründete 1972 seine
ersten eigenen Verlage (Plural!): Den Willms
Verlag, in dem er gezielt Heftserien aus dem
TV/Funny-Bereich veröffentlichte (zum Beispiel:
'Schweinchen Dick'
von 1972 bis 1981
und
'Bugs Bunny'
von 1972 bis 1978)
und den Condor Verlag, in dem er
sich an weiteren (unterschiedlich erfolgreichen) Heftserien
versuchte, dort aber auch die nach etwas Startschwierigkeiten überaus erfolgreiche
Albenserie
'Clever & Smart'
(1972 - 2009) lancierte(7)/(8). Und
bereits Ende 1978 - also noch während Williams die
Superhelden-Lizenz besaß bzw. Heftserien verkaufte
- brachte Condor das erste
Conan-Taschenbuch
(11/1978) auf den Markt und als die Williams-Lizenz dann
1979 auslief, folgten auf dem Fuße auch schon diverse
Taschenbuch- und Alben-Publikationen aus dem marvelschen
Superhelden-Bereich, wobei
- wie sollte es auch anders sein -
DIE SPINNE
den
Anfang machte(9).
Man kann also
sagen, daß Biehler den
"Verleger-Job im Comic-Bereich" von der Pike auf gelernt hatte, sich
1972 mit eigenen Produkten/Verlagen selbstständig machte und
dabei im Comic-Geschäft über Jahrzehnte hinweg - wirtschaftlich
gesehen - überaus erfolgreich war. Mit den
eigenen Verlagen sammelte weitere, konkrete Erfahrungen, was am Markt
lief (und was nicht...) und war nebenbei immer auch ein sehr
aufmerk-samer Beobachter des Gesamtgeschehens: Er dürfte ganz genau
beobachtet haben, wie
unterschiedlich Ehapa und Williams vorgingen -- und kopierte
für seine Marvel-Produkte dann im wesentlichen das Ehapa-Erfolgsmodell:
Vor allem Taschenbücher (Taschenbücher, Taschenbücher und noch
mehr Taschenbücher...!) und Comic-Alben und veröffentlichte
erst ab März 1980 mit
DIE SPINNE (vgl. Comic-Fan, das
ehemalige
INCOS-Vereinsmagazin) eine vierzehntägliche Marvel-Heftserie
- und dann auch nur diese eine
Heftserie. Die bei Condor kurioserweise als "Magazin" titulierte
Heftserie veröffentlichte er laut eigener Angabe
überhaupt nur, weil er aus Lizenzgründen dazu verpflichtet war; er
selbst hätte am liebsten nur die lukrativen
Marvel-Taschenbücher verkauft.
Zusammenfassend halte ich
fest, daß Wolfgang M. Biehler ganz offensichtlich nicht den Eindruck gehabt
hatte, daß Marvel Comics per se ein
schlechtes Produkt gewesen wären, daß man damit kein Geld verdienen
könne -- sehr wohl aber den Eindruck, daß Williams die Sache
grundsätzlich - kommerziell - falsch angegangen war. Für uns
Williamsianer kann das wahrlich kein Trost sein -- dazu waren die
Condor-Produkte einfach viel zu grottig (vor allem und
insbesondere die... Taschenbücher!), aber wirtschaftlich
gesehen hat Biehler alles richtig gemacht (Condor
veröffentlichte von 1978 bis 1996 Marvel-Serien)(10)... |
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WILLIAMS hingegen scheiterte - kommerziell gesehen -
auf der ganzen Linie und verantwortlich dafür war (wie ich
versucht habe darzulegen) ein
ganzes Bündel von Ursachen. Es wäre zu einfach alles dem
"Management" anzulasten - vertreten durch Geschäftsführer
Klaus
Recht und Vertriebsleiter Michael Klieber (vgl.
Markt der 100 Millionen
auf
Marvel Comics Online [=Seite 3 der Broschüre]), auch wenn die beiden (primär Klaus Recht)
letztendlich die Verantwortung dafür trugen. Fakt ist aber, daß
beide zwar bereits zuvor im "Pressegeschäft" tätig gewesen waren,
dabei aber eben keinerlei Erfahrungen im Bereich "Comics"
erworben hatten,
keine entsprechenden Marktkenntnisse besaßen (der große und wohl ganz
entscheidende Unterschied zu Wolfgang M. Biehler...). Und
das führte dazu, daß das "Management" der Redaktion - und hier sind
wohl vor allem Reinhard Mordek und Andy Cathomas zu nennen -
(relativ) freie Hand bei der Ausgestaltung ließen: Sei es bei der
Titelauswahl, der Entscheidung fürs (teuere) Handlettering und vor allem
auch, daß ausschließlich Heftserien produziert wurden. Mordek und
Cathomas waren "echte" Comicfans und ihre Vision war es eben, so
originalgetreu wie möglich am US-Original zu sein. Durch die "freie
Hand" übten sie aber nicht nur die kreative Kontrolle aus, sondern
gaben letztlich auch die Formatentscheidung vor -- und das
comicunerfahrene Management nickte alles einfach ab und hoffte auf
das Beste(11)...
Ein weiterer wichtiger Punkt war sicherlich die
Entscheidung, auf das Phasenvertriebssystem zu setzen, das in der
Theorie Kostenvorteile bot: Bessere Verwertung (sprich: Verkaufszahlen)
bei niedigeren Auflagen und damit ein nennenswerter Beitrag zur
Verbesserung der Kostenstruktur. Ich kann letztlich nicht
beurteilen, ob die Idee nicht grundsätzlich sinnvoll gewesen ist,
schließlich setzte auch Wolfgang M. Biehler auf diesen Vertriebsweg.
Aber Biehler dachte auch in ganz anderen Größenordnungen: Wo
Williams laut der Broschüre
'1974 - Das Jahr der Superhelden-Comics'
(komplett einsehbar auf Peter Gensmantels
Homepage im Bereich 'Marvel
Material Insider')
mit Anfangsauflagen zwischen
60.000
und
84.000
Exemplaren in den Markt ging, stufte Biehler schon
120.000 Stück als wirtschaftlich unrentabel ein(10)... Und
anders als beim BSV-Eigenvertriebsystem gab es bei der Verlagsunion
natürlich keine bonusorientierten Vertreter, die die Auflage in den
Markt "preßten"(12).
Niedrige Auflagen mit zu wenig verkauften Exemplare, gepaart mit
einer generell ungünstig hohen Kosten-struktur (wenn Klaus Recht
hier auch schon 1974 massiv die Notbremse zog) -- das ist kein
Erfolgsrezept, das ist ein Rezept für ein Desaster, und zwar mit
Ansage. Mit Erfahrung im Comicbereich hätte Klaus Recht hier
sicherlich gegensteuern können; mit Wissen/Erfahrung über das, was er da
eigentlich verkaufte... Die
von Mordek/Cathomas vorgenommene Titelauswahl war dabei - wirtschaftlich
gesehen - sicherlich nicht grundsätzlich falsch -- Frankenstein und
Dracula sind zwar keine Superheldencomics (soviel zum 'Jahr der
Superheldencomics') waren als Horrortitel aber gerade en vogue
gewesen und mit den restlichen fünf (Superhelden-)Titeln (dazu
die Zweitserien) deckte man
den Marvel-Kernbereich durchaus umfassend ab.
Was man hingegen
ganz und gar nicht tat, war behutsam vorzugehen und auf
unterschiedliche Formate zu setzen -- was im
deutschen Markt aber ganz im Gegensatz zum US-Markt üblich war und
vermutlich auch notwendig gewesen wäre(13). Statt dessen blieb die
spätere Redaktion (als Mordek und vermutlich auch Cathomas längst
weg waren) bei der Fixierung auf Heftserien und versuchte sich
zwar an
anderen Inhalten, hielt aber (fast ausschließlich) am Format fest:
Film-Abenteuer im Magazin-Format (Planet der Affen, später Krieg der
Sterne und Marvel Sonderausgabe), die redaktionell viel zu aufwendig
(teuer) gemachten Kung Fu-Taschenbücher (und dann waren sie noch
nicht einmal vierfarbig -- für den deutschen Markt in den 70iger
Jahren hätte man die im
original schwarz-weißen Geschichten definitiv vierfarbig machen
sollen....) und mit 'Grüne Laterne' gar einen
isolierten
DC-Titel (als ob es bei Marvel sonst nichts mehr gegeben
hätte...).
All das war aber nur ein (verzweifelter?) Versuch
"mehr vom selben" zu machen - das Prinzip Hoffnung, das Projekt würde
sich schon irgendwann tragen - aber keine Änderung im grundsätzlichen
Vorgehen, in der grundsätzlichen Marktausrichtung. Das hätten
bereits Reinhard Mordek und Andy Cathomas 1973 in die Wege leiten
müssen und wer weiß, vielleicht wäre eine andere Format-Aufstellung
erfolgreicher gewesen, ohne daß man auf die gewünschte
Originaltreue/Authentizität/Glaubwürdigkeit völlig hätte verzichten
müssen. Niemand weiß freilich, ob nicht zum Beispiel eine (anfängliche) Konzentration auf die
drei Kerntitel Spinne, FV und Rächer (wobei Rächer erst später zum
Kerntitel wurde) im Heftformat,
flankiert von Alben und (da sind sie wieder, diese
verdammeleiten...) Taschenbücher den notwendigen Verkaufserfolg
gebracht hätten, der das Superhelden-Portfolio in Summe
wirtschaftlich tragfähig gemacht hätte.
Sicher ist nur, daß
wir das nie erfahren werden.
Und sicher ist vor allem auch,
daß die Williams-Hefte - auch wenn sie
wirtschaftlich gesehen kein Erfolg waren - in jeder
Hinsicht die beste
Präsentation und Repräsentation von
klassischen Marvel Comics waren/sind, die wir je in Deutschland
hatten. Inhaltlich gesehen ist die Vision, den US-Heften so ähnlich
wie möglich zu sein, voll aufgegangen, nichts anderes vorher oder
danach kommt auch nur annähernd an diese Hefte
heran. Die Qualität der US-Geschichten war vorgegeben (und steht
außer Zweifel), aber erst die redaktionellen Seiten/Beiträge, das
(überwiegend erstklassige) Handlettering und die beinahe
einzigartig guten Übersetzungen(14) machten (und machen) die
Williams-Hefte zur klaren Nummer 1 aller Marvel-Veröffentlichungen,
die je in Deutschland veröffentlicht wurden. Punkt.
Wir Marvelianer
werden sie jedenfalls nie vergessen -- sie werden immer einen ganz besonderen
Platz in unserem Comicherzen einnehmen.... |
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Gernot Zipperling, 21.05.2026 |
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Besonderer Dank an
Stefan Schlüter für die zur Verfügung gestellten Scans von
Handelsregisterauszügen, Kressreport/DNV/Comic-Fan-Quellen und
Impressen. |
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Angaben zu den im Text verwendeten Abkürzungen
und Namen: |
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DNV - Der Neue Vertrieb (gegründet 1949) und
Kressreport (gegründet 1966) sind/waren
Fachzeit-schriften für den Pressevertrieb; - Comic-Fan
war das ab Januar 1974 erschienene Vereinsmagazin/Nachrichtenblatt
von
INCOS
(Interessengemeinschaft
Comic Strip e.V.). Ein Hintergrundartikel zu INCOS findet sich
auf
Splashcomics.de; - EVT
= Erstveröffentlichungstag; - DSN = Das Sagte
Nuff (Marvel-Fanmagazin, 12x Ausgaben, 09/2005 - 05/2010). |
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___ (1) Laut
Kressreport #3 vom 03. Februar 1972
gehörten die
'Bildschriften Verlag GmbH' und die 'Williams Verlag GmbH'
beide dem
"amerikanischen Multi-Market-Konzern" Kinney Services Inc.
Unmittelbar nach
der Kress-Meldung wurde der Kinney-Konzernbereich
'Medien und Unterhaltung' dann aber in ein eigenständiges Unternehmen
ausgegliedert (wirksam ab 10. Februar 1972), das den bekannten Namen "Warner Communications Inc."
erhielt. Quelle:
Wikipedia
(2) Auszug aus dem Artikel "Einige Anmerkungen zum
Bildschriften/Williams-Verlag" von Wolfgang J. Fuchs in
Die Sprechblase #213
(12/2008): "Als bei Williams dann
die Marvel-Comics von vorne begannen, sollten die Hefte
handgelettert werden. Baluch kaufte sich zu diesem Zweck eine
Lettering-Maschine, das angeblich einzige Duplikat jener Maschine,
mit der die Texte für die Charlton-Comics gelettert wurden.
Baluch verlagerte einen Teil seines
Studios wegen des schnelleren Kontakts und der zusätzlichen Arbeit
nach Hamburg, wo er im selben Haus wie der Williams-Verlag eine
eigene Etage belegte. Bei einer Weihnachtsfeier habe ihm dann, so
Baluch, Verleger Klaus Recht ganz nebenbei eröffnet, dass er ab
sofort nicht mehr für Williams arbeiten werde. Baluch dachte
natürlich überhaupt nicht daran, dem Verlag die Unterlagen der
bereits fertig gesetzten und auf Druckfilme kopierten Hefte
auszuhändigen.
Es gab
daraufhin zwischen beiden Seiten ein mächtiges Gezerre mit
Anschuldigungen und Gegenanschuld-igungen und teilweise massiven
Vorwürfen über vermutete illegale Handlungen. Beweise dafür gab es
jedenfalls nicht. So viel ist aber wohl klar: die Trennung ist
sicher nicht in bestem Einvernehmen erfolgt und beide Seiten hatten
Grund, sich über den jeweils anderen zu ärgern."
[Wolfgang J. Fuchs' kompletter Artikel
kann
HIER eingesehen werden.]
Mit "Weihnachtsfeier" muß
die des Jahres 1973 gemeint sein, als Klaus Recht die Kündigung
ausprach, wobei die ersten vier 1974er-Monatsproduktionen
aber bereits an
Williams übergeben worden waren, denn hierfür fertigte die Agentur
Baluch das "maschinelle
Handlettering" an.
Aus Wolfgang J. Fuchs'
Artikel geht kein konkreter Grund für die Trennung von
Baluch hervor. Für mich scheinen zwei Möglichkeiten plausibel:
Entweder Klaus Recht hegte (aus welchem Grund auch immer)
Animositäten gegenüber Ewald Baluch oder es ging einfach nur "ums liebe
Geld", sprich: Ewald Baluchs Dienste/Arbeit waren Klaus Recht einfach
zu teuer. Sollte letzteres zutreffen, wäre dies Klaus Rechts erste
Kostensenkungsmaßnahme gewesen -- noch bevor
überhaupt das erste Heft am Kiosk auslag...
Die
"plötzliche" Kündigung und der resultierende Streit dürfte dann wohl
auch der Grund für die nach-folgende, absolut chaotisch
anmutende Letteringphase sein, in der
wild zwischen herkömmlichem Maschinensatz und echtem Handlettering (überwiegend
von fragwürdiger Qualität...) herumexperimentiert wurde. Das
Motto schien geradezu zu lauten: Jeder (der wollte) durfte sich mal
daran versuchen...
(3) Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'DAS SAGTE NUFF #12'
(05/2010): Frage:
"Etwa ein Jahr nach dem
Neustart der Superhelden hörten Sie auf, für Williams zu arbeiten,
welche Gründe gab es dafür?" Reinhard Mordek:
"Mein Aufenthalt in New York war von Anfang an auf ein Jahr begrenzt.
Nach meiner Rückkehr sollte ich, auch genannt 'Manhatten', die
rechte Hand von Klaus Recht im Verlag werden. Er hatte den Verlag
inzwischen ganz übernommen und von der Redaktion war meines
Erachtens nur noch Kirsten Isele übrig.
Ein anderer Grund mag
gewesen sein: Nicht ahnend, daß es mit Marvel in Deutschland und
Klaus Recht trotz des Erfolges nicht zum besten stand, habe ich mich
auf eine Aktion am Rande eingelassen, die - wenn auch im Nachhinein
nicht schlüssig - zum Bruch mit Klaus Recht führte." ...
"Als Andy Cathomas [Anmerkung:
Cathomas war "Artdirector" bei Williams]
... mich bat, für [eine]
... Ausstellung ... einige Originalzeichnungen ... zu besorgen, nahm
ich natürlich an, dies sei bereits von Klaus Recht abgesegnet... Wie
konnte ich ahnen, daß ich durch dieses Anliegen ein für die Verlage
höchst prekäres Thema bezüglich der Eigentumsrechte an den
Originalen anschnitt?" ...
"Nach Vorsprache bei dem 'Giganten' Bill Gains
(MAD) wurde ich geradezu aus seinem Büro geworfen! Das kam natürlich
Klaus Recht zu Ohren - und trübte unser Verhältnis nachhaltig."
Frage: "Ihre
Frau Ursula war von Anfang an dabei und letterte die ersten Hefte
von Hand. Nachdem 'Remo' lautlos
in der Versenkung verschwunden war, konnte man 'Uschi Kedrom' [Anmerkung:
Pseudonym von Ursula Mordek] trotzdem noch einige Monate in den
Credits lesen." Reinhard Mordek:
"Meine
Frau und ich wurden ab 1.10.1974 feste, freie Mitarbeiter mit der
Auflage, fünf Comics pro Monat zu übersetzen. Kedrom sollte zwei
Marvels und zwei sog. 'Gruppencomics' lettern." Frage:
"Arbeiteten Sie nach 1974 je wieder für den Williams Verlag?"
Reinhard Mordek: "Wie schon erwähnt, waren wir
feste, freie Mitarbeiter (laut neuem Vertrag) bis Ende November
1974. Ab Dezember 1974 war ich dann bei 'Gruner & Jahr'."
(4) Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'Die Sprechblase #174/175' (08 & 10/2000):
Frage: "Waren die
Lizenzgebühren an der Auflage orientiert?"
Reinhard Mordek: "Es gab
Staffelpreise und es gab Tantiemen...Die Produktionskosten waren
immens. Im nachhinein würde ich sagen, daß wir den Markt zu
übersättigt hatten." ...
"Die Lizenzgebühren gingen an die
Warner Brothers, den Eigentümern von Time Warner. Da kamen schon
Beträge um die 100.000 Dollar zusammen. Und das betraf nur die
deutsche Produktion. Das Kolorieren und die Lithos waren teuer."
... "Was sich für Klaus Recht
nicht rechnete, hat er dann eingestellt...In diesem Zusammenhang hat
er auch den Personalbestand abgebaut."
(5) Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'Die Sprechblase #174/175' (08 & 10/2000):
Frage: "Beim
Bildschriftenverlag hatte man zuvor noch mit dem gängigen
Maschinensatz gearbeitet." Reinhard Mordek:
"Unser Artdirector Andy Cathomas kam
auf die Idee, das Handlettering wie bei den Amerikanern zu
übernehmen."
Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'DAS SAGTE NUFF #12'
(05/2010): Frage:
"Die Fans schätzten gerade das von Williams verwendete
'Handlettering'. War dieser Schritt zu einer Zeit, in der
üblicherweise alles maschinell gesetzt wurde, nicht auch riskant?"
Reinhard Mordek: "Handlettern war für Andy Cathomas
und für mich das absolute Muß. Riskant war es nur zum Teil, weil es
manchmal wegen der Versalien [Anmerkung: Versalien
= Großbuchstaben] schlechter lesbar, zeitaufwendiger und teurer war."
Objektiv betrachtet ist Hand-Lettering tatsächlich "schlechter"
lesbar, sei es wegen der Großbuchstaben und/oder vor allem auch, weil es
eben von Hand geschrieben wurde und so fast zwangsläufig von
schwankender Qualität war. In den USA war das insofern kein Problem, weil es
dort fast ausschließlich nur Handlettering gab. Anders in
Deutschland: Die allermeisten deutschen Leser kannten nur maschinell
gesetzte Schriften ("Schreibmaschinen-Schrift"); das waren sie
gewohnt, das bekamen sie bei der Konkurrenz. Und das dürfte beim
Durchblättern eines Marvel Comics am Kiosk zumindest manchen, potentiellen
Käufer abgeschreckt haben. |
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(6) Technisch gesehen war HIT
Comics die längste Zeit über sogar nur eine einzige
Serie, aber das ist Wortklauberei, entscheidend ist schließlich die
Summe aller (monatlich erscheinenenden) Hefte. Was BSV im Superheldenbereich hingegen nie
hatte, waren Taschenbücher. Zwar "experimentierte" man (in
anderen Genres)
ab 1971 ebenfalls ein wenig mit dem Format rum, aber auch nur halbherzig
und - angesichts dessen, daß es nur eine Handvoll Ausgaben gibt
- mit
mäßigem Erfolg.
Da ist zuvorderst das Tarzan-Taschenbuch
(1971-1973) zu nennen, von dem sage und schreibe fünf Ausgaben
erschienen. Das klingt nicht nach dem ganz großen Erfolg und wenn man
weiß, daß die ersten vier Ausgaben zwar stattliche 260 Seiten Umfang
haben, aber in Schwarz-Weiß gedruckt wurden, dann könnte das ein
Teil der Erklärung sein (mit Ausgabe #5 wechselte man dann auch
auf Vierfarbig, bei nur noch 132
Seiten Umfang). Man orientierte sich (mit den ersten vier
Ausgaben) also an Ehapas 'Lustigen Taschenbüchern', die
ebenfalls ca. 250 Seiten Umfang hatten und wie BSVs Taschenbücher DM
3,00 (Preis 1971) kosteten. Aber Disney war eben Disney -- die
'LTBs' hätten sich vermutlich sogar bestens verkauft, wenn sie
komplett in Schwarz-Weiß gedruckt worden wären (bis 1986 wurden
je 2x Seiten in Farbe gedruckt, gefolgt von 2x Seiten in
Schwarz-Weiß usw. usf.).
In der selben Aufmachung wie Tarzan
erschienen auch vier
Dick & Doof-Taschenbücher
(1971-1972, 260 Seiten,
anfänglich schwarz/weiß) und in anderer Aufmachung (128
Seiten, 4-farbig, DM 2,00) jeweils eine (ganze)
Taschenbuch-Ausgabe von
Pelefant
und
Kalle & Cäsar
(beide 1972). Die bestimmende Gemeinsamkeit all dieser
Taschenbuchserien: Sogar deren Heft- bzw. Albenpendants waren allemal
erfolgreicher als die Taschenbücher... Dieser übersichtliche
Erfolg mag ein Grund gewesen sein, warum Williams weitgehend auf
Taschenbücher verzichtete: Einzig eine zweite
Tarzan-Taschenbuchserie mit insgesamt fünf Ausgaben
sollte es noch geben, 1976 parallel zu den Kung Fu-Taschenbüchern
veröffentlicht und mit ähnlicher Ausstattung/Aufmachung (196 Seiten, DM 3,80).
Besser - viel besser - lief es
hingegen beim
MAD-Taschenbuch: 73 Ausgaben erschienen zwischen 1973
und 1994, was weitgehend eine vierteljährliche Erscheinungsweise
ergibt. Aber MAD war halt MAD - keine Comicserie im klassischen
Sinn und schon gar kein Superheldencomic - es sprach ein
(weitgehend) anderes Publikum an, nahm eine Sonderstellung ein.
Gleichwohl war MAD - in allen Formaten - äußerst erfolgreich. |
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(7) Auszug aus einem Interview mit
Wolfgang M. Biehler in
'DAS SAGTE NUFF #12'
(05/2010):
Frage: "Welche Serien betreuten Sie beim
Bildschriftenverlag?" Wolfgang M. Biehler:
"Zuerst
arbeitete ich nur als Übersetzer für den BSV. Später wurde ich
Chefredakteur für HIT Comics, Gold Key, MAD usw. Im Prinzip betreute
ich alle Comicserien des Bildschriftenverlags." Frage:
"Wie kam es zur Trennung zwischen Ihnen und dem Bildschriftenverlag?"
Wolfgang M. Biehler:
"Es ging ums Geld! Ich wollte mehr!"
Frage:
"Was bewog Sie, eigene Wege zu gehen und selbst einen Verlag zu
gründen?" Wolfgang M. Biehler:
"Zwei Dinge: Spaß
und Geld! Aber ich habe nicht nur einen Verlag gegründet. Es waren
wohl mindestens zehn! Die habe ich dann später teilweise fusioniert
und/oder verkauft. Ich wollte im Printbereich eben alles einmal
machen, sowohl redaktionell als auch als Herausgeber." |
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(8) Den Willms Verlag finde
ich insofern faszinierender als "Condor", da sich hier zeigt, daß auch Wolfgang M.
Biehler eine wirtschaftliche Verbindung zu 'Warner Brothers'
hatte, denn
die TV-Comic-Charaktere (Bugs Bunny,
Schweinchen Dick) des Willms Verlags
sind
natürlich ebenfalls Lizenzprodukte des Warner-Konzerns.
Aus dem
Kuriositätenkabinett 1: Etwas schräg mutet dabei der Name
gewählte 'Willms' an - scheint er doch wie eine verkürzte Version von
'Williams'? Nun mag das wirklich
Zufall sein, es könnte aber auch gut mit der Ausrichtung des Willms
Verlags auf Warners TV-Comic-Lizenzen zu tun gehabt haben -
'Williams' war ja eine Tochtergesellschaft von 'Warner
Communications'. Zumal Willms auf den ersten Heften dann auch noch ein
Logo verwendete, das auffallend vom (ersten) Williams-Signet inspiriert
scheint....
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Aus dem Kuriositätenkabinett 2: In
einigen der
Impressen der 1972er-Hefte des Willms Verlags
(Beispiel-Impressum:
Porky - Neues vom Schweinchen Dick und seinen Freunden #13
, 12/1972) wurde die Veröffentlichung weiterer Serien
angekündigt: Darunter nichts weniger als CONAN DER BARBAR! Das heißt also,
Wolfgang M. Biehler hatte die Marvel-Serie seit wenigstens 6 Jahren
auf seiner Agenda gehabt, bevor er sie dann tatsächlich in seinem
Condor Verlag veröffentlichen sollte!
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(9)
Kein Zweifel möglich, Wolfgang M. Biehler ging bestens vorbereitet
und mit System bei SEINER Marvel-Marktoffensive vor, wobei die
Taschenbuch-Ausgaben die Basis seines Marvel-Portfolios bildeten --
er bevorzugte sie gegenüber allen anderen Formaten, denn sie waren
wirtschaftlich gesehen einfach am lukrativsten, daraus macht(e) er
überhaupt kein Hehl.
So waren die ersten Marvel-Produkte von
Condor folgerichtig auch Taschenbücher gewesen, deren erste
Ausgaben stattliche 192 Seiten (vierfarbig) hatten und mit einem Preis von DM
4,00 ein wirklich günstiges Leseerlebnis boten --
aufgrund der extrem gekürzten Texte (in den
Miniblasen ist einfach zu wenig Platz für vernünftige
Übersetzungen....) kann von Lesespaß keine
Rede sein, aber günstig waren sie wirklich. Tatsächlich
waren die 192er-Seiter wohl sogar zu niedrig bepreist, denn bereits
1980 erfolgte nicht nur eine Preiserhöhung auf DM 4,50 (die man
wohl als mehr oder weniger als "normale", jährliche Preissteigerung
einstufen kann),
sondern der Seitenumfang wurde gleichzeitig auch deutlich auf
nunmehr 160 Seiten reduziert -- Biehler rechnete halt mit spitzem
Bleistift: Das Produkt mußte sich kaufmännisch rechnen.
Bezüglich den Erstveröffentlichungsterminen von Condor sind
historische Quellen rar, mir liegt lediglich eine
Quelle (Comic-Fan, das
ehemalige
INCOS-Vereinsmagazin) vor,
die allerdings die übrigen - nicht mit Quellen belegten - Angaben
als durchaus realistisch erscheinen läßt. Am interessantesten ist
natürlich der "gemeinhin" angenommene EVT 11/1978 für das
Conan-Taschenbuch #1, das demnach nicht nur die allererste
Marvel-Veröffentlichung von Condor gewesen ist, sondern erschienen
wäre, als Williams parallel noch seine (letzten) Marvelhefte
verkaufte. Eine mögliche Erklärung wäre, daß Conan
halt kein Superhelden-Material war und nicht von der Williams-Lizenz
abgedeckt wurde. Sehr viel wahrscheinlicher scheint mir hingegen, daß sich
Wolfgang M. Biehler (als korrekter Geschäftsmann)
mit Klaus Recht abgestimmt hatte: Für Recht war der Zug längst
abgefahren, für ihn war das Thema Marvel erledigt, wann immer seine
Lizenznahme auch genau endete.
Biehler war der neue
Lizenznehmer, er begann 1979 dann richtig mit seiner
Offensive durchzustarten. Denk-bar, daß Klaus Recht sein OK für die
November-Veröffentlichung von Conan TB #1 gegeben hatte, mit seinen
Superhelden-Comics hatte das ohnehin nichts zu tun. Und daß das
Spinne-Taschenbuch #1
bereits 04/1979 erschienen ist (sein soll) -- was
hätte das Klaus Recht noch groß kümmern sollen, er war raus aus der Geschichte.
Ohnehin sollte/dürfte Klaus Recht spätestens seit Ende 1978 von
Biehlers Vorhaben/Aktivitäten gewußt haben, deren
Vorbereitung/Planung früh in 1978 begonnen haben müssen -
andernfalls wären die 1979er-Veröffentlichungen, nur kurz nach dem
Williams-Ende, für mich jedenfalls nicht vorstellbar.
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Comic-Fan (INCOS-Vereinsmagazin)
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(10) Auszug aus einem Interview mit
Wolfgang M. Biehler in
'DAS SAGTE NUFF #12'
(05/2010):
Frage: "Gab es zwischen Williams und Condor eine Art
Fehde? Nach einem Artikel über Superhelden mit Fokus auf Klaus
Recht im Spiegel von 1976 [Anmerkung: Der Artikel
"Entsetzen bringt Galaktus!!" kann kostenfrei
online im Spiegel-Archiv eingesehen werden]
meldeten Sie sich per Leserbrief mit dem
Hinweis, daß sich Superhelden schlecht verkaufen ließen."
Wolfgang M. Biehler:
"Nein! Die Comic-Heftausgaben
waren damals, rein wirtschaftlich gesehen, ein Super-Flop!
Deswegen habe ich zuerst die Marvel-Comic-Taschenbücher gemacht.
Diese hatten tolle Auflagen. Später, viel später, mußten wir aus
lizenzrechtlichen Gründen leider auch die Comic-Hefte und Alben
(Graphic Novels) übernehmen..."
Frage:
"Warum entschieden Sie
sich für das Taschenbuch-Format? Viele der ehemaligen
Williams-Leser stiegen deshalb 1979 aus oder auf US-Originale um."
Wolfgang M. Biehler:
"Tatsächlich? Das habe ich an
den Verkäufen meiner Comic-Taschenbücher glücklich-erweise nicht
bemerkt! Aber jeder, wie er's will..." Frage:
"Warum erschien
'Die Spinne'
erst 1980 als Heft und nicht schon früher bzw. von
Anfang an?" Wolfgang M.
Biehler: "Es gab da lizenzrechtliche Probleme - aber eigentlich
wollte ich auch gar keine Comic-"Hefte" (wir nannten es Magazine)
machen!"
Frage:
"Was führte letztendlich zur
Einstellung der Marvel-Serien bei Condor?" Wolfgang M.
Biehler: "Der Zeitgeist! Comics sind heute - leider,
leider - als Print-Objekte nur noch ein Thema für Spezialisten;
für Verlage, die mit Kleinstauflagen einen ausgewählten aber
kleinen Kreis bedienen! Mich interessieren nur hohe Auflagen, und
bei um die 120.000 Exemplaren habe ich damals eingestellt." |
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(11) Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'Die Sprechblase #174/175' (08 & 10/2000):
Frage: "Und wer traf
die Entscheidung, welche Serien nun neu ins Programm kamen?"
Reinhard Mordek:
"Das war der Verlagsleiter, mit uns zusammen. Es
wurde vereinbart, was machbar ist." |
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(12) Auszug aus dem Artikel "Einige Anmerkungen zum
Bildschriften/Williams-Verlag" von Wolfgang J. Fuchs in
Die Sprechblase #213
(12/2008):
"Laut Erwin Heimberger, der vom
1. Juli 1964 bis 1973 die Geschicke des bsv leitete, rentierte sich
das System mit 16.000 Verkaufsstellen und 64 Vertriebsmanagern, da
sich so letztlich die gesamte Auflage verkaufte und auch Nachdrucke
gemacht werden konnten, so dass es manche Hefte auf eine verkaufte
Auflage von über 50.000 Exemplaren brachten." [Wolfgang J. Fuchs' kompletter Artikel
kann
HIER eingesehen werden.] |
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(13) Auszug aus einem Interview mit
Reinhard Mordek in
'Die Sprechblase #174/175' (08 & 10/2000):
Frage: "Gab es von
Seiten der Amerikaner gewisse Vorgaben, in welchen Formaten die
deutschen Comics zu sein hatten? Haben Sie an alternative
Publikationsformen wie z. B. Taschenbücher gedacht?"
Reinhard Mordek:
"Von Seiten der Amerikaner hatten wir relativ freie Hand. Nur die
Auflagen waren ihnen zu gering." |
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(14) Natürlich schwankte die
Qualität der Übersetzungen auch bei Williams, wie sollte es auch allein
schon aufgrund der Vielzahl an Übersetzern anders sein: Arend
Buck, Behrendt (de) Cuvry, ?Bruno?, Christiane Metzin, Gitta
Moldehn, Hartmut Huff, Jani Büsing, Kirsten Isele, Maria Schott,
Peter Paulson, Reinhard Mordek, T. B. Larsson, Sybille van Geem,
Wolfgang J. Fuchs. (Keine Garantie für Vollständigkeit, aber
ohne die mutmaßlichen Pseudonyme Rainer Mittwoch/Boris
Vlanoff/Brother Hu bzw. Brother Hudu von Hartmut Huff und
Walter Bassing/Elisabeth Montfort von Wolfgang J. Fuchs.)
Aber meines Erachtens nach sind die Williams-Übersetzungen grundsätzlich
gut und mit der der Zeit wurden sie nur noch besser. Und zwar gerade weil die Übersetzer
den - häufig genug - großen
Textumfang der Originale ins Deutsche "transportierten" und
dabei keine Rücksicht auf feste/vorgegebene Schriftgrößen nehmen
mußten, auch wenn dann manchmal Textblasen etwas vergrößert werden
mußten. Nahezu keiner der "modernen" Übersetzungen
gelingt es, den
Geist und
Wortwitz von Stan Lee und Co. so gut zu vermitteln, wie es die Williams-Übersetzer
vermochten. Das mag auch daran liegen, daß die Williams-Übersetzer
dem 60iger-Jahre-Zeitgeist naturgemäß so viel näher standen, als es
heutzutage der Fall ist (sein kann). Aber allzuoft gewinne ich bei "modernen"
Über-setzungen den Eindruck: Sie wollen es gar nicht erst versuchen... |
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